Vom Aufstieg und Niedergang des Fedora

Eine alte Kopfbedeckung, die auch heute noch (ein bisschen) beliebt ist.
Für Das DLS Team 2020-09-10

Was ist ein Fedora?

Der Fedora ist ein weicher Filzhut mit zumeist mittelbreiter Krempe, der längs der Krone nach unten geknickt und an der Vorderseite an beiden Seiten eingekniffen ist.

Es gibt Debatten darüber, was einen Fedora ausmacht, da sich die Definition im Laufe der Zeit geändert hat. Wenn man vor einhundert Jahren bei Amazon gesucht haben könnte (…das damalige Pendant waren wohl Bestellkataloge), würden die Ergebnisse vermutlich vorwiegend Hüte aus weichem Woll-/Filzstoff anzeigen, denn daraus bestehen Fedoras normalerweise. Die Form und der Schnitt sind weniger relevant.

Heutzutage werden Fedoras aus weicher Wolle oder aus Stroh hergestellt, aber man kann sie durchaus in edleren Materialien wie Cheddar-Käse oder auch, völlig legitim, in massivem Gold vorfinden (siehe Foto)...

Warum nennen wir ihn überhaupt so?

Der Fedora ist nach der Figur Fedora aus dem gleichnamigen Theaterstück von 1882 benannt. Die legendäre Schauspielerin Sarah Bernhardt, welche die Fedora spielte, war eine bekannte Crossdresserin der Zeit und eine Anführerin der protofeministischen Bewegung - mit einem charakteristischen Hut als Symbol für die Bewegung. Der Hut in diesem Theaterstück ähnelte nicht unbedingt der Fedora-Hutform, die wir heute kennen, was zur Verwirrung über den Ursprung und die Geschichte des Fedora-Hutes beitrug.

Wie lange tragen ihn die Leute schon?

Die Popularität des Fedora stieg in den 1920er-Jahren an und verdrängte den ähnlich aussehenden Homburg-Hut - nicht zu verwechseln mit dem ähnlichen Trilby - von der Spitze der Beliebtheits-Skala. Im Internet wird immer noch darüber gestritten, welche die charakteristischen Unterschiede der erwähnten Hüte sind, niemand kann es mit Gewissheit sagen.

Fedoras galten bis in die 1930er-Jahre hinein als Unisex, wurden aber alsdann zu einer überwiegend männlichen Mode und in Hollywood-Filmen jener Zeit häufig als "Detektiv"-, "Mafia-Verbrecher"- oder "Singing in the rain"-Hut gezeigt.

Der Fedora kam bis zum Ende der 1950er-Jahre nicht aus der Mode. Die Babyboomer-Generation mied aber Hüte im Allgemeinen und entschied sich eher für einen „Schau-dir-meine-schönen-Haare-an“-Look, denn der Fedora war für sie der klassische Hut ihrer Väter und daher ziemlich uncool.

Das Fast-Comeback des Fedora

Nachdem der Fedora aus der Mode gekommen war, tauchte er im späten 20. Jahrhundert Immer mal wieder in der Populärkultur auf, zum Beispiel bei Sängern und Schauspielern. Doch dieser beizeiten aufkeimende Modetrend setzte sich nie durch.

1981 - Indiana Jones

Indie trägt bei seinen weltweiten Plünderungen von Artefakten technisch gesehen einen Fedora, und sah dabei stets ziemlich gut aus. Trotz dreier Filme und einem Umsatz von fast zwei Milliarden Dollar konnte Indie aber keinen Fedora-Trend auslösen. Manch einer hat dadurch mehr mit Peitschen experimentiert, andere entwickelten vielleicht ein Interesse an Museen – aber eine wachsende Liebe zu Retro-Hüten konnte nicht verzeichnet werden.

1988 - Michael Jackson

MJ rockte in den 80ern während seiner Moonwalker-Phase gerne rückwärts getragene Anzüge und Fedoras. Viele erinnern sich sicher an den verwirrenden und verrückten „Moonwalker“-Film. Es gibt am Ende tatsächlich eine ziemlich verstörende Szene, in der Joe Pesci wiederholt ein Kind schlägt, das er entführt hat, und droht, ihm „gute Drogen“ mit einer Spritze zu injizieren. Bei Interesse ist das Video kostenlos auf YouTube (Englisch) zu sehen.

Der Look von Michael Jackson löste für mich als Kind eine Liebe zum Fedora aus. Bei einer Reise nach Disney World forderte ich einen weißen „MJ“-Fedora und trug ihn anschließend ununterbrochen. Während ich mich in diesen Look verliebt hatte, hat sich aber leider niemand in mich verliebt, mit meinem übergroßen, schmuddeligen weißen Fedora.

1994 - “Die Maske”

Auweia. Einige mögen dieses Hut-Modell ja stylisch finden, doch meiner Meinung nach tat dieses Modell der Fedora-Bewegung definitiv keinen Gefallen.

2002 - Fedora Linux

Fedora Linux war weder Person noch Hut, stieg aber 2002 als Linux-Server-Vertrieb an die Spitze, und war davon nur schwer zu verdrängen. Fedora ist eine Tochtergesellschaft von Red Hat Linux, deren Logo einen Fedora enthält.

Während Fedora weltweit 1,2 Millionen Nutzer hat, konnte dieses Server-Betriebssystem sie nicht davon überzeugen, sich Fedoras auf ihre Köpfe zu setzen. Das ist wahrscheinlich eine gute Sache, denn die Welt braucht vermutlich keine Gemeinschaft aus Fedora-tragenden Serveradministratoren ...oder?

2010 & danach

Auch im 21. Jahrhundert ließ sich bislang kein Fedora-Trend ausmachen. Viele Prominente haben  versucht, den Fedora zu einem charakteristischen Bestandteil ihres Looks zu machen – doch mit wenig Erfolg.

Der Kampf der Geschlechter macht vor Hüten nicht Halt

Nach Sarah Bernhardt, einer Vorreiterin des Feminismus, waren alle berühmten Fedora-Träger Männer. Dass Frauen einen besseren Hut-Geschmack haben, ist für mich aber eindeutig.

Sieh' dir zum Beispiel Lupita an, die absolut klasse aussieht.

Willst du trotz allem, was du eben gelesen hast, einen Fedora haben?

Goorin Brothers ist ein traditionsreicher Hersteller in den USA und hat einige klassische Modelle, gut für einen ersten Überblick. In Deutschland kann man auch etliche Online-Shops finden, die Fedoras anbieten - oder statte einfach einem lokalen Hutmacher in deiner Region einen Besuch ab.

Wenn du dich für einen Fedora entscheiden solltest, denke bitte an diesen weisen Rat: